Ein Batteriespeicher nimmt Solarstrom auf, den du tagsüber nicht brauchst, und gibt ihn abends oder nachts wieder ab. Ein Balkonkraftwerk speichert von sich aus nichts, der Akku ist eine Ergänzung. Für Steckersolargeräte mit Speicher gilt die neue Produktnorm bisher nicht.
Was ein Speicher kann und was nicht
Ohne Speicher fließt Strom, den du gerade nicht verbrauchst, unvergütet ins Netz. Mit Speicher lädt der Überschuss einen Akku, den du später nutzt. Zwei Werte beschreiben einen Speicher:
- Kapazität in Kilowattstunden (kWh): Wie viel Energie in den Akku passt, vergleichbar mit der Größe eines Tanks. Photovoltaik.info nennt für Balkonkraftwerke Kapazitäten zwischen 1 und 2,5 kWh als üblich.
- Leistung in Watt (W): Wie schnell er laden und entladen kann, vergleichbar mit dem Querschnitt einer Leitung. Als Beispiel nennt dieselbe Quelle 1,5 kWh Kapazität bei rund 800 W Entladeleistung.
Hersteller geben außerdem nutzbare Kapazität, Zellchemie und Zyklenzahl im Datenblatt an. Diese Werte unterscheiden sich von Gerät zu Gerät. Prüf sie vor dem Kauf dort und behandle sie als Herstellerangabe.
Rechenbeispiel: Was vom Überschuss ankommt
Ein Akku liefert nie so viel zurück, wie du hineingibst. Die HTW Berlin rechnet in ihrem Stecker-Solar-Simulator für ein AC-System mit 91,7 Prozent Umwandlungswirkungsgrad beim Laden, 97,8 Prozent Batteriewirkungsgrad und 92 Prozent beim Entladen. Zusammen ergibt das einen Systemnutzungsgrad von 82,5 Prozent.
- Du lädst 2,0 kWh Überschuss ein.
- Nach dem HTW-Modell kommen rund 1,65 kWh wieder aus dem System.
- Bei einer abendlichen Dauerlast von 100 W reicht das rechnerisch für etwa 16 Stunden.
Das ist ein Modellwert, kein Garantiewert. Er zeigt aber: Ein Speicher verschiebt Strom, er vermehrt ihn nicht. Ob er sich lohnt, ist laut HTW Berlin abhängig von den Umständen, etwa Verbrauchsprofil, Modulleistung und Verschattung.
Regeln für Speicher an Steckersolargeräten
Hier bleibt Vorsicht geboten. Die Verbraucherzentrale schreibt, dass die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 nur für Geräte ohne Speicher gilt. Für Steckersolargeräte mit Speicher wurde ein Normungsgremium gegründet, eine Norm gibt es nach dem dort veröffentlichten Stand noch nicht. Außerdem müssten Speicher demnach derzeit von einem zugelassenen Elektriker beim Netzbetreiber angemeldet und angeschlossen werden, die vereinfachte Anmeldung gelte für sie nicht.
Andere Quellen schildern es einfacher: Photovoltaik.info schreibt, ein Speicher gelte als Teil der Stromerzeugungseinheit und müsse in der Regel nicht gesondert angemeldet werden, die gesamte Anlage gehöre ins Marktstammdatenregister. Weil sich die Regeln noch bewegen und die Aussagen auseinandergehen, klärst du den konkreten Fall vor dem Kauf mit deinem Netzbetreiber.
Worauf du achten solltest
- Kapazität am Verbrauch ausrichten: Orientiere dich an deiner Abend- und Nachtlast, nicht an der größten Zahl im Prospekt.
- Elektrofachkraft einbinden: Anschlüsse an die feste Hausinstallation gehören in ihre Hände.
- Aufstellort wählen: Trocken, frostfrei und ohne brennbare Gegenstände in unmittelbarer Nähe. Die Vorgaben des Herstellers gehen vor.
- Datenblatt lesen: Zellchemie, Zyklen, Garantie und Notstromfunktion stehen dort, gekennzeichnet als Herstellerangabe.
- Kopplungsart klären: Ob ein Gerät AC-gekoppelt oder DC-gekoppelt arbeitet, bestimmt Wirkungsgrad und Nachrüstbarkeit.
Welche Modelle es gibt und für wen sich welche Größe eignet, sammelt unser Überblick zu Speichern für Balkonkraftwerke. Wie du den Strom darin planst, hängt eng mit deiner Grundlast zusammen.
Keine Rechtsberatung
Maßgeblich sind Gesetz und die Technischen Anschlussbedingungen (TAB) deines Netzbetreibers.
Häufige Fragen
Hat ein Balkonkraftwerk einen Speicher eingebaut?
Nein. Ein klassisches Steckersolargerät speichert nichts, es speist den Strom direkt ins Hausnetz. Speicher gibt es als Ergänzung oder im Set mit Modulen. Wer einen Akku nachrüsten möchte, sollte vorab prüfen, wie er angeschlossen wird und ob eine Anmeldung beim Netzbetreiber nötig ist.
Gilt die VDE-Norm auch für Geräte mit Speicher?
Nein. Die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 gilt laut Verbraucherzentrale nur für Geräte ohne Speicher. Für den Betrieb mit Speicher gibt es bisher keine eigene Norm, ein Normungsgremium arbeitet daran. Die Grenze von 960 Wp mit Schuko-Stecker lässt sich deshalb nicht einfach auf Speichersysteme übertragen.
Muss ich einen Speicher gesondert anmelden?
Die Quellen sind uneins. Die Verbraucherzentrale nennt eine Anmeldung durch einen zugelassenen Elektriker beim Netzbetreiber, Photovoltaik.info sieht den Speicher als Teil der Erzeugungseinheit ohne gesonderte Anmeldung. Frag deshalb vor dem Kauf deinen Netzbetreiber und trag die Anlage im Marktstammdatenregister ein.
