Eigenverbrauch ist der Anteil des selbst erzeugten Solarstroms, den du im eigenen Haushalt verbrauchst, statt ihn ins Netz abzugeben. Beim Balkonkraftwerk ist er die wichtigste Größe: Nur Strom, den du direkt nutzt, senkt deine Rechnung, denn für Überschuss gibt es keine Vergütung.
Eigenverbrauchsanteil und Autarkiegrad auseinanderhalten
Zwei Kennzahlen werden gern verwechselt. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz definiert sie so: Der Eigenverbrauchsanteil gibt an, wie viel des selbst erzeugten Solarstroms du selbst nutzt. Der Autarkiegrad gibt an, wie viel deines gesamten Strombedarfs der Solarstrom deckt. Die HTW Berlin bezeichnet den Autarkiegrad auch als Eigenversorgung und rechnet ihn als vermiedenen Netzbezug im Verhältnis zum Strombedarf des Haushalts.
| Kennzahl | Bezugsgröße | Wird hoch, wenn … |
|---|---|---|
| Eigenverbrauchsanteil | erzeugter Solarstrom | kaum Überschuss entsteht, etwa bei kleiner Anlage |
| Autarkiegrad | gesamter Strombedarf | die Anlage groß ist und viel deckt |
Beide ziehen in verschiedene Richtungen. Wer mehr Module installiert, erzeugt mehr, doch ein wachsender Teil davon landet im Netz. Der Eigenverbrauchsanteil sinkt, der Autarkiegrad steigt nur noch langsam.
Rechenbeispiel: Ein Modul, zwei Haushalte
Die Verbraucherzentrale beziffert den Ertrag eines 400-Watt-Moduls an einem unverschatteten Südbalkon auf rund 280 Kilowattstunden im Jahr. Dein Strombezug sinkt dadurch um etwa 200 Kilowattstunden. Daraus lässt sich rechnen:
- Eigenverbrauchsanteil: 200 von 280 Kilowattstunden, also rund 71 Prozent. Die übrigen 80 Kilowattstunden gehen unvergütet ins Netz.
- Autarkiegrad, Single-Wohnung im Mehrfamilienhaus: Als Richtwert nennt die HTW Berlin für einen Haushalt mit einer Person im Mehrfamilienhaus 1.500 Kilowattstunden im Jahr. 200 davon sind etwa 13 Prozent.
- Autarkiegrad, Zwei-Personen-Haushalt: Bei 2.100 Kilowattstunden Richtwert sind es etwa 10 Prozent.
Das Modul deckt also nur einen kleinen Teil deines Bedarfs, nutzt aber den größten Teil seiner eigenen Erzeugung. Das ist typisch für kleine Anlagen. Zum Kontrast nennt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz für ein Haus mit 10 kWp ohne Speicher je 28 Prozent bei beiden Kennzahlen, mit einem 6-kWh-Speicher 47 Prozent Eigenverbrauchsanteil und 45 Prozent Autarkiegrad.
Was deinen Eigenverbrauch bestimmt
Laut HTW-Dokumentation hängt der Direktverbrauch vom Jahresstrombedarf ab, und Verschattung mindert ihn. Zusammengefasst:
- Zeitliche Deckung: Wer mittags nicht zu Hause ist und nur den Kühlschrank laufen lässt, nutzt weniger Solarstrom als jemand, der im Homeoffice arbeitet.
- Anlagengröße: Je größer die Modulleistung im Verhältnis zur Dauerlast, desto mehr Überschuss.
- Verschattung und Ausrichtung: Sie verschieben und verkleinern die Erzeugung.
- Speicher: Er verlagert Überschuss auf den Abend.
Worauf du achten solltest
- Verbrauch verschieben: Geräte mit Zeitvorwahl laufen am besten in den sonnigen Stunden.
- Modulleistung nicht übertreiben: Die Verbraucherzentrale hält 450 bis 500 Watt Modulleistung für ausreichend, um eine Netzeinspeisung klein zu halten.
- Eigene Werte messen: Eine Messsteckdose oder ein Smart Meter zeigt, wie viel du tatsächlich nutzt.
- Werbewerte hinterfragen: Angaben zu Prozentzahlen ohne Haushaltsprofil sind kaum übertragbar.
Wie viel das in Summe bringt und ob sich die Anschaffung für dich rechnet, beantworten wir im Ratgeber, ob sich ein Balkonkraftwerk lohnt. Den Teil deines Verbrauchs, der Tag und Nacht anliegt, beschreibt die Grundlast.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Eigenverbrauch bei einem Balkonkraftwerk?
Das hängt von Haushalt, Anlagengröße und Verschattung ab. Aus den Angaben der Verbraucherzentrale ergibt sich für ein 400-Watt-Modul am Südbalkon rechnerisch ein Anteil von rund 71 Prozent. Eine feste Zahl für alle gibt es nicht. Eigene Messwerte sind aussagekräftiger als Durchschnitte.
Ist Eigenverbrauch dasselbe wie Autarkie?
Nein. Der Eigenverbrauchsanteil bezieht sich auf den erzeugten Solarstrom, die Autarkie auf deinen gesamten Strombedarf. Ein kleines Balkonkraftwerk erreicht oft einen hohen Eigenverbrauchsanteil, aber nur eine geringe Autarkie, weil es nur einen Teil des Bedarfs decken kann. Beide Werte erklärt die Tabelle oben.
Warum zählt jede selbst genutzte Kilowattstunde?
Weil Steckersolargeräte in der Kategorie der unentgeltlichen Abnahme laufen. Eingespeister Überschuss wird nicht vergütet. Jede Kilowattstunde, die du selbst nutzt, ersetzt dagegen Strom aus dem Netz, den du sonst bezahlen müsstest. Deshalb bestimmt der Eigenverbrauchsanteil laut Verbraucherzentrale maßgeblich die Wirtschaftlichkeit.
