Ein bifaziales Solarmodul erzeugt Strom über beide Seiten: vorn aus direktem Sonnenlicht, hinten aus reflektiertem Streulicht. Dafür hat es meist eine Glasrückseite. Wie viel Mehrertrag das bringt, hängt von Untergrund, Montagehöhe und Abstand ab. An der Balkonbrüstung bleibt er oft gering.
Was „bifazial“ technisch bedeutet
Bifazial heißt zweiseitig. Photovoltaik.info beschreibt solche Module als für Lichtaufnahme von beiden Seiten gebaut, mit transparenter Rückseite, meist aus Glas. Man spricht deshalb auch von Glas-Glas-Modulen. Die Verbraucherzentrale ordnet ein, dass bifaziale Module aktuell der Standard sind und durch Streulicht auf der Rückseite etwas zusätzlichen Strom erzeugen.
Wichtig für die Einordnung: Ein Rückseitengewinn ist kein fester Wert. Er schwankt mit dem Untergrund und der Montage. Verlass dich deshalb auf die Leistungsangabe im Datenblatt und betrachte den Rückseitenbonus als mögliche Zugabe, nicht als Zusage.
Wie viel Mehrertrag realistisch ist
Photovoltaik.info nennt gegenüber einem einseitigen Modul gleicher Leistung einen Mehrertrag zwischen 5 und 25 Prozent. In der Einleitung desselben Textes ist von 5 bis 30 Prozent die Rede, die Spanne ist also unscharf. Entscheidend ist die Albedo, das Rückstrahlvermögen des Untergrunds:
| Untergrund | Albedo laut Photovoltaik.info |
|---|---|
| Neuschnee | 80 bis 90 Prozent |
| Heller Beton oder Kies | 30 bis 50 Prozent |
| Wiese oder Ackerland | 10 bis 25 Prozent |
| Asphalt | 5 bis 10 Prozent |
Dazu kommt die Höhe: Je größer der Abstand zum Boden und je steiler die Neigung, desto mehr Licht erreicht die Rückseite. Mindestens ein Meter Bodenabstand wird empfohlen. Eine Mitteilung eines Modulherstellers bei pv magazine ergänzt, dass bei geringer Installationshöhe reflektiertes Licht die Rückseite nur eingeschränkt erreicht und Trägerprofile, Querstreben und Kabel die nutzbare Rückseitenfläche verkleinern.
Rechenbeispiel: Balkon oder Garagendach
Ein 400-Watt-Modul liefert laut Verbraucherzentrale an einem unverschatteten, senkrecht montierten Südbalkon rund 280 Kilowattstunden im Jahr. Würde der Rückseitenbonus 5 bis 25 Prozent betragen, wären das 14 bis 70 zusätzliche Kilowattstunden. Am Balkon sitzt das Modul aber dicht vor Brüstung oder Wand und der Boden liegt weit unten. Realistisch ist daher eher das untere Ende. Auf einem aufgeständerten Garagendach mit hellem Untergrund sieht die Rückseite deutlich mehr Licht. Genau dort nennt die Verbraucherzentrale bifaziale Module besonders lohnend.
Ob sich ein Aufpreis rechnet, entscheidet eine einfache Regel: Der erwartete Mehrertrag in Prozent sollte höher liegen als der Preisaufschlag in Prozent. Photovoltaik.info nennt dafür je nach Textstelle 5 bis 20 Prozent. Bei 8 Prozent erwartetem Mehrertrag und 15 Prozent Aufschlag lohnt es sich nicht.
Worauf du achten solltest
- Datenblatt lesen: Prüfe Modulleistung, Maße und Gewicht. Glas-Glas-Aufbauten können schwerer sein als Module mit Folienrückseite.
- Halterung abgleichen: Nutze nur Halterungen mit Freigabe des Modulherstellers. Wind- und Schneelast sowie Absturzsicherung gehören zur Planung, mehr dazu bei den Halterungen für Balkonkraftwerke.
- Rückseite freihalten: Kabel, Streben und Wand direkt dahinter mindern den Gewinn.
- Nicht überbewerten: Ein Mehrertrag bringt keine höhere Einspeiseleistung, der Wechselrichter bleibt bei 800 VA begrenzt.
Welche Modultypen sich für den Balkon eignen und worauf es bei Größe und Leistung ankommt, erklärt unser Überblick zu Solarmodulen für Balkonkraftwerke. Die Einheit der Leistungsangabe steht im Eintrag zum Wattpeak.
Häufige Fragen
Lohnen sich bifaziale Module am Balkon?
Oft nur wenig. Am Balkon sitzt das Modul dicht an Brüstung oder Wand, die Rückseite bekommt kaum Licht. Besser eignen sich aufgeständerte Montagen mit hellem Untergrund, etwa auf einem Garagendach. Da bifaziale Module laut Verbraucherzentrale heute Standard sind, gibt es ohnehin selten eine echte Wahl.
Sind bifaziale Module dasselbe wie Glas-Glas-Module?
Meistens ja. Bifaziale Module brauchen eine transparente Rückseite, die in der Regel aus Glas besteht. Deshalb sind die Begriffe im Alltag fast austauschbar. Es gibt jedoch auch Aufbauten mit transparenter Folie auf der Rückseite. Welcher Aufbau gemeint ist, steht im Datenblatt.
Was bedeutet Albedo bei bifazialen Modulen?
Albedo bezeichnet das Rückstrahlvermögen des Untergrunds, also wie viel Licht er zum Modul zurückwirft. Neuschnee erreicht laut Photovoltaik.info 80 bis 90 Prozent, heller Beton oder Kies 30 bis 50, Asphalt nur 5 bis 10 Prozent. Je höher der Wert, desto mehr Licht trifft die Rückseite.
