Ein Zweirichtungszähler erfasst getrennt, wie viel Strom du aus dem Netz beziehst und wie viel du dorthin zurückgibst. Für Balkonkraftwerke ist er der übliche Ersatz für alte Zähler. Dein Verbrauch bleibt sauber gemessen, auch wenn dein Gerät mittags mehr liefert, als du gerade brauchst.
Zwei Richtungen, zwei Zählwerke
Ein gewöhnlicher Haushaltszähler kennt nur eine Richtung: den Bezug aus dem öffentlichen Netz. Ein Zweirichtungszähler hat zusätzlich ein Zählwerk für den umgekehrten Weg. Die Verbraucherzentrale beschreibt ihn als Gerät, das sowohl den Strombezug als auch die Einspeisung erfasst, etwa bei einer Photovoltaikanlage. Digitale Zähler, im Fachjargon moderne Messeinrichtungen, gibt es als Ein- und als Zweirichtungsvariante.
Was du am Gerät siehst: Der digitale Zähler zeigt die aktuelle Leistung an und speichert Verbrauchswerte, laut Verbraucherzentrale für zwei Jahre, aufgeschlüsselt nach Tag, Woche, Monat und Jahr. Ausgelesen wird per Lichtsignal nach Eingabe einer vierstelligen PIN.
Warum zählt er Einspeisung, wenn es dafür kein Geld gibt?
Steckersolargeräte fallen unter die Kategorie der unentgeltlichen Abnahme. Du bekommst für Überschuss also nichts, und trotzdem ist die getrennte Zählung sinnvoll. Der Netzbetreiber sieht, was tatsächlich zurückfließt, und dein Bezug wird nicht durch Rückwärtslauf verfälscht. Bei der Anmeldung musst du dafür nichts erledigen: Die Verbraucherzentrale schreibt, dass üblicherweise ein Zweirichtungszähler eingebaut wird, und die Bundesnetzagentur nennt ihn als Beispiel für den Austausch eines ungeeigneten Zählers.
Beispiel: Zwei Phasen, ein Ergebnis
Die meisten Wohnungen haben einen Drehstromzähler mit drei Phasen. Der Kühlschrank hängt an Phase 1 und zieht 80 W, die Steckdose deines Balkonkraftwerks liegt an Phase 2 und liefert 300 W. Man könnte meinen, die Phasen müssten zusammenpassen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale saldieren alle Zähler über alle Phasen, die Phase deines Steckers ist daher unerheblich.
- Verbrauch im Haushalt: 80 W, gedeckt aus dem eigenen Gerät.
- Rückspeisung: 300 W minus 80 W, also 220 W, die das Einspeise-Zählwerk erfasst.
- Bezug aus dem Netz: 0 W in dieser Minute.
Merke: Dein Eigenverbrauch taucht nirgends als Messwert auf, er fehlt einfach im Bezug. Sichtbar wird er nur als Lücke gegenüber dem früheren Verbrauch. Wer ihn genau beziffern will, braucht ein zusätzliches Messgerät wie ein Smart Meter.
Worauf du achten solltest
- Tausch kostenlos, Umbau nicht: Der Austausch des Zählers kostet dich nichts. Muss dafür der Zählerschrank umgebaut werden, trägt diese Kosten der Anschlussnutzer.
- Laufende Messkosten: Für moderne Messeinrichtungen gilt laut Verbraucherzentrale eine gesetzliche Obergrenze pro Jahr.
- Elektrofachkraft einbinden: Alles, was am Zählerplatz passiert, macht der Messstellenbetreiber oder eine Elektrofachkraft, nicht du.
- Display prüfen: Nach dem Tausch lohnt ein Blick auf den Zähler, ob Bezug und Einspeisung getrennt ausgewiesen werden.
Welche Zähler es gibt, wann der Tausch ansteht und wie sich die Varianten unterscheiden, findest du im Überblick zu Stromzählern beim Balkonkraftwerk. Den Vorgänger mit Drehscheibe erklärt der Eintrag zum Ferraris-Zähler.
Keine Rechtsberatung
Maßgeblich sind Gesetz und die Technischen Anschlussbedingungen (TAB) deines Netzbetreibers.
Häufige Fragen
Bekomme ich automatisch einen Zweirichtungszähler?
In der Regel ja. Wenn dein Zähler nicht passt, tauscht ihn der zuständige Messstellenbetreiber nach der Anmeldung im Marktstammdatenregister selbstständig und üblicherweise gegen einen Zweirichtungszähler. Einen eigenen Auftrag musst du dafür nicht erteilen. Bis dahin darfst du dein Gerät bereits betreiben.
Wird der eingespeiste Strom vergütet?
Nein. Steckersolargeräte laufen unter unentgeltlicher Abnahme. Der Zähler erfasst den Überschuss zwar, aber es entsteht kein Zahlungsanspruch. Wer eine reguläre Einspeisevergütung beansprucht, verliert nach Angaben der Bundesnetzagentur die Vereinfachungen für Steckersolargeräte und wird wie eine normale Photovoltaikanlage behandelt, mit allen zusätzlichen Pflichten.
Muss der Stecker an einer bestimmten Phase hängen?
Nein. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass alle Zähler die Phasen saldieren. Auf welcher Phase deine Steckdose liegt, ist für die Messung daher unerheblich. Für die Installation der Steckdose selbst ist dagegen eine Elektrofachkraft zuständig, falls Arbeiten an der Hausinstallation nötig sind.
